Woche 4 - Norgetur25
- Stephan Regli
- 11. Nov. 2025
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 13. Nov. 2025
Montag, 2. Juni - Tag 23
Heute möchten wir Førde entdecken. Førde, die Stadt am Ende des Fjørdefjordes liegt an der Europastrasse E39 welche Kristiansand mit Trondheim verbindet. Durch einen kleineren Flughafen wird Førde mit Oslo und Bergen verbunden. Auch durch die Beherbergung eines Campus der Hochschule Westnorwegens wächst die beliebte Einkaufsstadt kontinuierlich. Førde hat viele neue Quartiere mit modernen Bauten und gleichzeitig auch historische Quartiere. Das ist kein Widerspruch aber ein Gegensatz, der nicht störend ist. So wie es aussieht ziehen wir unseren ersten ganzen Regentag ein. So schlimm kam es dann doch nicht.
Markus und ich nutzten die Gelegenheit und besuchten das Sunnfjord Museum etwa 8 km ausser Førde direkt an der E39 gelegen. Das Museum beherbergt eine Ausstellung über Norweger und Norwegerinnen hier aus der Region, die nach Amerika und Kanada ausgewandert sind und dort die Kultur und Folklore - insbesondere die Musik der Hardanger Fiedel - weitergelebt und auch weiterverbreitet haben. Unterhalb des Museumgebäudes sind alte Häuser, Ställe und Gebäude hergerichtet. Das Leben war sehr einfach und sicher beschwerlich. Bereichert wird die Ausstellung von einem Kräutergarten und drei Ziegen, welche nach anfänglicher Zurückhaltung auch gerne gestreichelt wurden.
Ungefähr zwei Kilometer weiter bei der dortigen „Landwirtschaftsschule“ parkiert machten wir einen kleinen Spaziergang zum Huldefossen, ein beeindruckender Wasserfall. Ich schätze aus rund 100 m wirft sich der Fluss: Holsaelva über den Fels. Da es immer wieder geregnet hat war es sicher mehr Wasser als sonst. Atemberaubend unter zu stehen und die Gischt und die Gewalt des Wassers zu spüren.
Dienstag, 3. Juni - Tag 24
Heute weiterfahrt nach Nordfjordeid. Førde verlassen wir gestaffelt. Markus und Brigitte fahren durch bis Ålesund, da sie dann auf „Heimaturlaub“ gehen. Andreas fuhr etwas früher los, nahm aber auch die Europastrasse 39, welche entlang der Fjorde führte und Einblick in eine schöne Landschaft gab. Ich folgte wenig später. Als ich an der Anlegestelle Anda eintraf konnte ich direkt über den Platz auf die Fähre fahren. Hinter mir wurden die Tor geschlossen und die Fähre fuhr los. Gelungenerweise begrüsste mich dann Andreas auf dem Schiff. Eugen und Clarissa nehmen einen etwas anderen, wenn auch nicht minderschönen Weg und kamen leicht später auf dem Campingplatz an.
Der Ort Nordfjordeid hat einiges zu bieten. So ist hier das Zentrum für Fjordpferde. Diese Pferde werden mit einem Denkmal geehrt. Etwas ausserhalb liegt der Friedhof mit einer sehr besonderen Grabkapelle. Friedhöfe sind in Norwegen sehr oft an speziellen Plätzen, so auch dieser. Sehr gross, viel Ruhe und sehr emotional. Im Ortskern liegen die Strassen Eidsgata und Tvergata. Alte, gepflegte Häuser zieren diese Strassenzüge die meist Einbahnverkehr haben. Mitten drin steht das Kulturhuset og Gamlebanken, ein altehrwürdiges Haus mit viel Charakter. Den Malakoffplatz habe ich ebenfalls besucht. Er wird auch Exerzierplatz genannt und diente auch als solcher. Er war einer der ersten in Norwegen und ist somit der älteste. Hier gibt es zwei Denkmäler. Ein Denkmal gilt der „sørgande mor“, der „trauernden Mutter. Das zweite Denkmal auf dem Exerzierplatz gilt Major Langeland. Das Langeland-Denkmal ist für seine Verdienste im Zweiten Weltkrieg. Er führte die Abteilung Oslo der Milorg, der Widerstandsbewegung, mit ca 7000 Mitgliedern.
Beeindruckend ist aber auch die Kirche des Ortes. Sie wurde 1849 gebaut. Weitere interessante Orte sind das Opernhaus, das denkmalgeschützte Hotel Yris und das Schiffswrack im Hafen. Teile der Wartheland, eines deutschen Transportschiffes liegen da.
Den Grabhügel, der ein Königsgrab sein könnte, ist nicht sehr auffällig. Dafür wird die Geschichte im Museum Sagastad eindrücklich dargestellt. Im „Myklebustskipet“ im Grabhügel soll König Audbjørn, der in der Schlacht von Solskjel fiel, begraben sein.
Wenn wir uns auch entschieden haben, nur eine Nacht hier zu sein, hat der Ort doch einiges zu bieten. Ein Besuch lohnt sich alleweil.
Heute Abend habe ich noch Norwegischkurs und ich hoffe, dass die Internetverbindung hält.
Mittwoch, 4. Juni - Tag 25
Nach einer teils sehr regnerischen und teils sehr windigen Nacht spielt das Wetter mit und die heutige Weiterfahrt nach Ålesund dürfte gut gelingen. Andreas und Vreni fuhren die Küstenstrasse, welche etwas länger ist und zwei Fährenfahrten beinhaltet. Eugen und Clarissa sowie ich, also die mit den breiten Wohnwagen nahmen die gut ausgebaute Europastrasse E39. Somit hatten wir nur eine Fährüberfahrt von Festøya nach Solavågen. Es ist einfach erstaunlich. Man fährt auf einer breiten Strasse, dann kommt man auf einen Parkplatz und
dann kommt die Fähre. Kein Dorf weit und breit, nicht einmal ein Haus. Nach kurzer Überfahrt setzten wir den Weg auf den Campingplatz Volsdalen in Ålesund fort. Kaum eingerichtet ging ich in die Stadt. Im Gegensatz zum Beispiel zu Bergen hat es hier an jeder Ecke Parkplätze oder Parkhäuser. Fast alle Plätze können mit easypark gebucht werden - sehr praktisch. Der Weg führte mich durch die Stadt, die Jugendstilstadt. Das wurde sie ja nicht freiwillig. Im Januar 1904 brannte fast die gesamte Stadt nieder. 850 Häuser wurden zerstört und etwa 10´000 Menschen wurden obdachlos. Innert kürzester Zeit wurde, auch mit Hilfe des deutschen Kaisers Wilhelm II, die Stadt mit Steinhäusern wieder aufgebaut. Da es die Jugendstilzeit war sind die Häuser eben in diesem Stil aufgebaut. Am Abend gingen Clarissa, Eugen und ich noch in den fisketorget am Hafen und genossen gebratenen Klippfisch und Lamm für Clarissa. Morgen werde ich mich unter anderem den vielen Denkmälern widmen.
Donnerstag, 5. Juni - Tag 26
Heute machen wir Ålesund unsicher. Mein heutiger Besuch galt zuerst dem Hausberg Aksla. Der Berg ist 189 m hoch und es gibt zwei Möglichkeiten ihn zu besteigen. Durch den byparken, den Stadtpark und dann 418 Stufen zum Aussichtspunkt Fjellstua oder mit einer kleinen Wanderung von der Hinterseite über den Aussichtspunkt Kniven. Oben steht noch das Denkmal für den norwegischen Dichter Kristofer Randers. Wir fuhren mit meinem Auto zum Sportplatz und wanderten via rundem Turm und Kniven zur fjellstua, dem Aussichtspunkt auf dem Aksla. Clarissa, Vreni, Eugen und Andreas stiegen die vielen Stufen hinunter bis in den Stadtpark und dann in die Stadt. Im Hafenbecken ankerte auch noch die königliche Jacht: Norge. Ich wanderte auf der Strasse zurück zum Auto und dann besuchte ich noch den Storhaugenpark. Die Kirche war eingerüstet und so fotografierte ich den Turm vom Hafen aus. Dort traf ich meine Freunde und nach einem kurzen Einkauf ging es zurück auf den Campingplatz. Gegen Abend wird es oft frisch und teilweise regnet es ein bisschen.
Zu den Denkmälern:
Da ist einmal Rollo, der Wikinger, der den letzten grossen Überfall auf das Westfrankenreich kommandierte. Ebenfalls im Stadtpark steht ein Obelisk für Kaiser Wilhelm II, der sich massgeblich am Wiederaufbau der Stadt beteiligt hat. Interessant ist auch die Skulptur: Gener. Auf meinem Stadtrundgang kam ich auch beim Løvenvold Kino (1923 gebaut), dem ersten Kino in Ålesund und dem Denkmal sister og brorvorbei. Im Hafen erinnert ein Monument an die Englandsfahrten zwischen 1940-45. 3300 Personen gelang die Flucht, 320 Menschen starben. Ebenfalls in diesem Gebiet steht das Denkmal für Margrit Johnsen, die höchstdekorierte Frau im Zweiten Weltkrieg. Auf dem Rathausplatz die Erinnerung an Joachim Rønneberg, einen Widerstandskämpfer. Unweit der Jugendstilapotheke stehen die sildekuna, die Heringsfrau und der fiskergutten, der Fischerjunge. In Ålesund gibt es viele Denkmäler. Wenn hier eines nicht aufgelistet ist, ist das keine Absicht.
Freitag, 6. Juni - Tag 27
Heute wäre ein Ausflug zur Vogelinsel Runde geplant gewesen. Das Wetter, die Umstände und die recht lange Anreise hielten uns davon ab. Dennoch hatten wir ein sehr schönes Tagesprogramm. Zuerst fuhren wir gemeinsam zum Atlanterhavsparken, dem Aquarium & Marine Science Center. Einmal mehr eine sehr schöne und informative Anlage. Es werden nicht einfach nur Fische gezeigt sondern auch sehr viel über das Meer, die Vergangeheit, Gegenwart und Zukunft. Auch auf die Gefahren durch Umwelt und Befischung wird hingewiesen. An vielen Orten im Haus kann spielerisch oder auch fast wissenschaftlich „gearbeitet“ und ausprobiert werden. Auf jeden Fall einen Besuch wert.
Im zweiten Teil gingen wir in die Stadt, verpflegten uns in einer der bekanntesten Bäckereien der Stadt, der Walderhaug bakeri og konditori. Ganz imn der Nähe ist ein Denkmal mit der Aufschrift: Hundevakta. Das Wort Hundewache ist ein Ausdruck für eine Wache auf einem Schiff mit geteilten Wachteams an Bord. Auch dem norwegischen Komponisten Per Bolstad wird gedacht. Auch die Hafeneinfahrt ist kein unbedeutender Ort, Molja fyr zeigt den kleineren Schiffen den Weg in den Hafen Vågen. Spaziert man durch die Strassen kommt man am schmalsten Haus Norwegens oder der Tusentrappene vorbei und kann den Avisgutten, den Zeitungsjungen bestaunen.
Das bekannte slinningbua fotografierte ich von Weitem, da es gerade restauriert wird.
Im dritten Teil ging ich ins sunnmøre museum und zur Kirche Borgund. Das Museumzeigt Häuser, Gebäude und Ökonomiebauten und eine beachtliche Bootssamlung. Die Borgund-Kirche wurde 1904 auf den Resten der alten Peterskirche aus dem 12. Jahrhundert mit schönen Holzschnitzereien im Inneren gebaut. Leider habe ich mit den Kirchenbesuchen auf dieser Reise nicht viel Glück. Viele Kirchen waren geschlossen, andere werden renoviert und heute fand eine Beerdigung statt - und Beerdigungen sollte man nicht „crashen“. So blieben wir ein paar Fotos von aussen. Es ist ein sehr stattlicher Bau.
Samstag, 7. Juni - Tag 28
Heute geht die Fahrt weiter nach Kristiansund N. Andreas und Eugen nehmen den längeren Weg über die Atlantikstrasse, ich fahre direkt über die E 39 Campingplatz byskogen in Kristiansund N.
Warum Kristiansund N? Es gibt KristiansAnd und KristiansUnd. Um Verwechslungen zu vermeiden wird oft Kristiansand S und Kristiansund N geschrieben. Der Abschied von Ålesund bei schönstem Wetter. Die Strasse auf der E39 ist sehr gut zu fahren, ich komme zügig voran. Eine Fährüberfahrt von Vestnes nach Molde. Nach knapp drei Stunden erreiche ich den Campingplatz, mitten im Stadtwald ein einsames „umfunktioniertes Wohnhaus. Der Aufenthaltsraum ist die Stube mit einem offenen Kamin. Ich habe mich eingerichtet und schon ging es ab auf die Atlantikstrasse - die Atlanterhavsvegen.
Ja, diese Atlantikstrasse, die MUSS man gesehen haben. Es ist zwar nur ein Teilstück von gut 8 km zwischen Vevang und Kårvåg, aber das ist ein Touristenmagnet der Extraklasse. Über 8 Brücken hüpft man von Insel zu Insel. Bekannt ist die Storseisund-Brücke. Wenn man sie erleben kann und nur schon die Fotos anschaut ist Faszination pur. Damit ich mehr Freiheit zum Fotografieren hatte, ging ich zuerst auf den Campingplatz und fuhr dann ohne Wohnwagen. Das hat sich bewährt. So hatte ich die Möglichkeit die Strasse zweimal zu befahren.
Auf dem Rückweg nach Kristiansund N sah ich einen Wegweiser: Stavkirke. Da musste ich hin. Erst später merkte ich, dass ich neun Kilometer der Insel Averøy entlangfahren musste - aber egal, es lohnte sich. Leider hatte ich wieder etwas Pech. Bei meiner Ankunft schloss eine Dame die Türe zum Ticketverkauf, begrüsste mich ganz freundlich, stieg ins Auto und fuhr weg. Die Lage und die Umgebung dieses historischen Ortes in Kvernes haben die Fahrt gelohnt.
Bei meiner Rückkehr auf den Campingplatz hatten sich meine Freunde bereits eingerichtet. Am Abend haben wir gegrillt und fein gespiesen und anschliessend haben Clarissa und ich im Brändi Dog gewonnen. Ein supertoller Tag fand einen Abschluss.
Sonntag, 8. Juni - Tag 29
Wieder begrüsst und ein schöner Tag auf unserer Norgetur25. Andreas, Vreni, Eugen und Clarissa fahren weiter nach Åndalsnes, ich bleibe noch einen Tag in Kristiansund und geniesse die Ruhe des Platzes. Es ist der Abschluss der vierten Reisewoche.
Am Nachmittag besuche ich noch die Stadt, welche auf vier Inseln gebaut ist. Ich gehe in das Hafenbecken Vågen, welches zwischen den Inseln Kirkelandet und Gomalandet liegt. Daneben gibt es noch Innlandet und Nordlandet. Verbunden werden die Stadtteile nicht nur von Brücken oder Tunnel sondern auch seit 1876 von den Sundbåten, den Hafenbooten. Jeder Stadtteil hat seinen Pier. Kristiansund sieht fast wie ein Kleeblatt aus.
Zuerst war es ein Zentrum der Holzindustrie bevor es sich der Fischindustrie widmete und Klippfisch - vor Allem für Südeuropa - produzierte. Für viele Leute ist Bacalao das Stichwort und lässt Herzen höher schlagen. Mein Besuch galt heute der Mellom-Werft. Sie existiert seit 1865 und ist seit 1980 ein Museum. Übrigens ein Museum in dem immer noch gearbeitet wird und Schiffe restauriert werden.
Danach ging ich weiter zu verschiedenen Gebäuden und den Abschluss machte ich im Stadtteil Nordlandet mit derselbig benannten Nordland-Kirche.
Bei einem ruhigen Abend nahm ich Abschied von der vierten Reisewoche, einer intensiven und interessanten Woche.





















































































































































































































































































































































































































































































Kommentare