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Birkeland - Woche 2

  • 19. Jan.
  • 5 Min. Lesezeit

Montag, 29. Dezember - Tag 14

Die zweite Ferienwoche beginnt mit einem sonnigen Morgen. Annemarie macht mit Merlin einen längeren Spaziergang und ich hole die Beiden auf der anderen Talseite wieder ab. Dann besuchen wir eine der drei Kirchen von Birkeland. Die Grösste ist die Birkenes kirke, die etwas südlich von Birkeland liegt. Sie wurde 1858 aus Holz in Kreuzform gebaut und hat 650 Sitzplätze. Es ist eine - für norwegische Verhältnisse - sehr hohe Kirche.

Gleich nebenan ist der Birkens middelaldersk kirkegård, ein sehr früher Friedhof. Die älteste von uns gesehene Grabplatte war mit 1673 signiert. Kirche und Friedhof liegen geschützt hinter einem Hügel.



Weiter gibt es noch die Vegusdal kyrkie von 1867, ebenfalls in Kreuzform und aus Holz gebaut. Sie hat 300 Sitzplätze.

Am nördlichen Ufer des Herefossfjorden ist die 1865 achtkantig gebaute Holzkirche Herefoss kyrkie mit 170 Sitzplätzen.


Dienstag, 30. Dezember - Tag 15

Das Wetter zeigt sich nochmals von der guten Seite. Heute sind wir wieder im Hafenquartier herumspaziert. Im bekanntesten Buchladen von Kristiansand -norli- habe ich nach dem Lösungsbuch für unser Arbeitsbuch im Norwegischkurs gesucht. Dank der netten Verkäuferin haben wir herausgefunden, dass es gar keines gibt. Auch unser Lieblingssalz, das Artic Salt aus Bodø haben wir nicht gefunden. Aber immerhin waren die Strassen in den Kvadraturen voll mit Leuten. Das Kreuzfahrtschiff AIDA NOVA hat am Morgen angelegt und die Passagiere machten die verschiedensten Aktivitäten. Wir schlenderten noch ein wenig durch die Gassen und dann ging es zurück in die warme Stube.


Mittwoch, 31. Dezember - Tag 16

Das Jahresende naht. Am letzten Tag im Jahr wollten wir für Merlin etwas Besonderes, spazieren ohne Leine. So sind wir in ein Gebiet zwischen Birkeland

und Kristiansand gefahren welches Boen heisst. Bei der Boen bru - der Boenbrücke haben wir parkiert und den Spaziergang mit dem imposanten Wasserfall, dem Boenfoss begonnen. Gleich danach kommt man zum dazugehörigen Kraftwerk und einer Fabrik namens Flekkevika. Die aus dem Wasser ragenden Felsen nennt man Flekkesjær. Weiter führt der Weg zum Bauernhof: Boen gård und weiter zum Tveit Bygdemuseum in Knarestad. In Lille bua, dem Hundehotel und der Tierklinik haben wir gewendet und sind zum Auto zurück.

Der Bauernhof Boen gård gibt es seit 1520 als König Christian II und seine Lordschaften hier Ferien machten und Lachse fischten. Das Haupthaus in seiner heutigen Form war seit 1813 das Haus der Familie Hegermann und ist im typischen „Südlandklassizismus-Stil“ gebaut. Seit 1940 ist es im Besitz des Schiffseigners Johann G. Olsen, welcher es 2010 komplett renoviert hat. Seit 2012 ist es für das Publikum geöffnet und ist Hotel, Restaurant und Butikk. Es nennt sich Mitglied der „Vereinigung Historischer Hotels“ in Norwegen.


Das Tveit Bygdemuseum ist unweit des alten Dampfschiffpiers in Knarestad. Von 1856 bis 1937 war es ein zentraler Platz und die Dampfschiffe hatten tägliche Verbindungen nach Kristiansand. Der im Privatbesitz der Familie Kjevik stehende Pier wurde wie auch die drei Gebäude des Gebäudemuseums in über 700 Stunden Freiwilligenarbeit und einigem Kapital hergerichtet. Heute ist alles öffentlich zugänglich und soll ein Platz der Ruhe oder des Fischens dienen soll.

Nun warten wir das Jahresende ab: Godt nytt år.


Donnerstag, 1. Januar - Tag 17

Das neue Jahr hat begonnen. Es ist nicht so, dass es hier keine Feuerwerke gegeben hätte, aber sicher massiv weniger als zu Hause. Um ein Uhr hat Merlin dann etwas Ruhe gefunden und bis spät in den Morgen geschlafen. Nach einer kleinen Morgenrunde in der Umgebung war wieder Ruhe angesagt. Auf dem Sofa ist es halt schon cool.


Am Nachmittag haben wir noch einen Spaziergang im Wald gemacht. Es hat hier in der Umgebung sehr viele aktive und „passive“ Kiesgruben. Es scheint als sei hier vor Jahrtausenden eine riesige „Schwemmebene“ gewesen. Die ausgeschöpften Anlagen werden sehr oft renaturiert, kultiviert und als Acker oder Wiesland genutzt. Da die Naturverjüngung des Waldes sehr gross ist wird alles relativ schnell überwachsen.


Den Abschluss machten wir mit einem Rundgang im Park in Birkeland. Wir besuchten den ehemaligen Bauernhof von Tobias Gunvaldsen. Tobias war der Zweitälteste der Geschwistergruppe und übernahm 1916 den Bauernhof und wohnte dort bis er 1976 im Altersheim starb. Der Hof stammt von ca 1800. Tobias hatte 3 Kühe und ein Pferd, Hühner, Schweine und Schafe. Er pflanzte alles selber an: Kartoffeln, Gemüse und verschiedene Beeren. Nach Kriesgausbruch musste die Familie nach Tjamsland - ca 14 km nordöstlich von Birkeland - flüchten. Tobias kehrte jeden Tag zurück und pflegte die Tiere, Haus und Garten. 1986 kaufte die Gemeinde den heruntergekommenen Hof und seit 2020 ist in den Ruinen des Hofes ein Baumgarten.


Freitag, 2. Januar - Tag 18

Das Wetter scheint schlechter zu werden. In der Nacht hat es ein wenig geregnet und dann zu schneien begonnen. Das bedeutet, dass die Unterlage gefroren und glitschig ist und der darüber liegende Schnee trügerisch. So fuhren wir nach

Hamresanden, diese vorgelagerte Landspitze in den Fjord. Im Sommer ist es ein Paradies für Badende, Schwimmer, Surfer und einfach Ausruhende und Familien. Im Winter ein sind es die Spaziergänger und Joggenden, und das ganze Jahr die Hündeler. Hier hat es viele Bänke und Tische und einige Feuerstellen. Es ist eines der wichtigen Naherholungsgebiete von Kristiansand. Da der Wind ziemlich heftig blies und die Sonne nicht ganz durch die Wolken kam waren eher weniger Leute unterwegs. Am Abend sind wir dann noch bei unseren Vermietern eingeladen und feiern noch ein bisschen das Neue Jahr. Åse und Arild haben uns hervorragend bewirtet und wir verbrachten einen wunderschönen gemeinsamen Abend mit Gespräch, Lachen und Gemeinsamkeiten austauschen. Vielen Dank für den schönen Abend.


Samstag, 3. Januar - Tag 19

Laut Prognose soll es heute in der Nacht bis minus 10 und am Tag bis minus 7 Grad werden. Der Morgen war schön, so dass wir um die Mittagszeit den Weg nach Lillesand - in das Quartier Møglestu - unter die Räder nahmen. Obwohl Møglestu wenige km nördlich der Küste liegt galt es bereits in der Wikingerzeit als Hauptsitz. Erwähnung findet Lillesand, früher Sanden genannt, wieder im 17. Jahrhundert als Hafen für den Holztransport. 1688 erhielt Lillesand die Handelsrechte mit Einfuhr von Getreide und Ausfuhrrechte für Holz.

Unser Besuch galt der West Moland Steinkirche - Vestre Moland steinkirke - welche um 1100 gebaut wurde. Auf den ersten Blick meint man, man stehe vor einer Holzkirche. Bei näherer Betrachtung werden die Mauern dann sichtbar. Besonders eindrücklich sind die noch von Hand gefertigten Fensterscheiben. Als Besonderheit gelten auch die Grabhügel auf dem Friedhof von Møglestu. Neben der Kirche ist ein grosser (ehemaliger) Guts- und Herrschaftshof. Das Hauptgebäude stammt von 1806, erbaut vom Kaufmann und Reeder Stener Stenersen. Bei der Umnutzung des Geländes im Jahr 1923 blieb das Haupthaus glücklicherweise erhalten.


Sonntag, 4. Januar - Tag 20

Sechs Tage sollst du arbeiten und am siebten Tag sollst du ruhen. Das haben wir auch so gemacht. Heute enden für die meisten Norweger die Weihnachtsferien. Darum wird erwartet, dass auf den Strassen sehr viel los sein wird. Wir haben uns entschieden eine Sehenswürdigkeit in der Nähe zu besuchen.

Ein paar wenige Kilometer von uns entfernt ist der Gutsbetrieb Mollestad. Es soll der älteste Bauernhof in Birkenes sein. Auf der nahen Wiese steht eine sagenumwobene Eiche, die Mollestadeika. Ihr Alter wird auf über 1000 Jahre geschätzt. Somit ist es der zweitälteste Baum Norwegens, welcher bereits zur Wikingerzeit da stand. Er soll auf einem Grabhügel gepflanzt worden sein und dem Hof und den Leuten Glück bringen. Um und über diese Eiche gibt es viele Geschichten und Sagen. Da sie ja ein sehr stattliches Alter hat, hat sie auch eine stattliche Grösse. Sie ist ca 15 m hoch und hat einen Kronenumfang von 50 m. Der Umfang des Stammes beträgt 11,2 m. Leider ist ihr Zustand nicht mehr sehr gut, aber so lange sie steht wird sie auch bewundert.


Somit endet hier die Woche zwei. Ich hoffe, euch morgen Montag zur Woche 3 begrüssen zu können.


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