Tag 1o Brønnøysund

26. Januar 2020 - Sonntag

Die Nacht war kurz, die Bewegungen des Schiffes nicht ohne. Darum war ich wach, als wir kurz vor vier Uhr in den Hafen von Bodø einliefen. Man hat das Gefühl, dass auf diesem Umschlagplatz immer viel los ist. Der Vorteil hier zu sein war, dass wir das grosse Stück über die offene See hinter uns hatten. Nun konnten wir uns wieder an der Arbeit von Kapitän With und seinen Lotsen erfreuen, die  vor über 130 Jahren den schnellsten und ungefährlichsten Weg zwischen den Inseln durch suchten. Also liessen auch die Wellen massiv nach. Das Meeting mit der MS Nordlys war in Dunkelheit, obwohl schon neun Uhr vorbei war. Das Wetter verschlechterte sich und den Hafen von Ørnes sahen wir von unserem Frühstückstisch aus. Wir warteten gespannt auf die Polarkreisüber-querung, die durch den Kapitän etwa für zehn Uhr angekündigt war. Kurz vor zehn war es dann tatsächlich so weit und mit Signalgabe durch den Kapitän passierten wir die "magische Linie" wieder südwärts. Das Wetter war alles andere als prickelnd und so fand für die neuen Passagiere die Polarkreistaufe im Explorer (Panoramaraum) auf Deck 7 statt. Ein Löffel Tran musste das Eiswasser ersetzen. Ein bisschen Wehmut erschlich sich meiner, denn mit dem Überqueren des Polarkreises sank die Wahrscheinlichkeit für Nordlichter auf gegen Null. Nun, die Fahrt ging weiter und wer wollte konnte sich ein Buch oder eine Karte erwerben und durch den Kapitän signieren lassen.

Grau in grau sah es im nächsten Hafen aus: Nesna (links) ebenso wie in Sandnessjøen (rechts). Im Hintergrund erkennt man schwach die Gebirgskette der "Sieben Schwestern" um deren Entstehung und Namensgebung sich Mythen, Sagen und Geschichten ranken. Auch wir genossen auf Deck 7 am InfoPOI das Mythos mit einem kleinen Situationsspiel. Die sieben Schwestern von einem Troll nachts beim Baden erwischt und verfolgt. Bei Tagesanbruch sollen sie dann zu Stein geworden sein.

Am nächsten Ort gab es dann wieder einen längeren Aufenthalt. Bereits die Anfahrt auf Brønnøysund ist eindrücklich, sind wir doch wieder auf "festem Untergrund", umgeben von Wasser. Die Häuser knapp über der Wasseroberfläche gebaut und die Stadtteile mit Brücken oder Tunnels verbunden. Immer wieder links und rechts die Markierungen, die dem Kapitän und seiner Führungsmannschaft den Weg zwischen den Inseln und die Gefahren durch aus dem Wasser ragende Fels-köpfe zeigen.

Obwohl nur gut 5000 Einwohner hat Brønnøysund das Stadtrecht. Vielleicht auch, weil es genau in der Mitte der norwegischen Küstenlinie liegt. Es sind 840 km zum Nordkap und 840 km bis Kap Lindesnes im Süden.

Während der gesamten Reise ist uns immer wieder etwas aufgefallen. Es gibt sehr viele Kunstwerke und Statuen mit Kindern und immer wieder die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg. Es ist nicht so, dass die Zeiten vorher sehr viel friedlicher gewesen wären, Jahr-zehnte unterdrückt von den Dänen oder den Schweden ist Norwegen eine eindrucksvolle, soziale und sympathische Nation geworden und auch geblieben.

Die Sympathie zeigte sich auch am heutigen Abend, es war "Farewell Diner". Alles wurde aufgefahren. Kapitän, die Offiziere und Offizierinnen und die gesamte Crew verabschiedete sich mit einer Polonaise durch den Speisesaal. Die Speisen einfach köstlich, wahrscheinlich weil regional, sehr gut zubereitet und in einer Menge die angenehm zu essen ist - nicht "Völlerei". Ich ging jeden Abend von Tisch und hatte genug, hätte aber auch noch mehr gegessen nur weil es so köstlich war.

Der Aufenthalt in Rørvik war nur von kurzer Dauer. Nun folgte eine lange Strecke von fast neun Stunden ohne Halt bis Trondheim und dort dann drei Stunden Aufenthalt.

Was es mit dem Strudel zu tun hat erzähle ich euch morgen.