Tag 5 Tromsø

21. Januar 2020 - Dienstag

Der Tag endet nie, das durften wir heute am 5. Reisetag feststellen.

Gestern Abend um 21 Uhr legten wir in Svolvær los und fuhren Richtung Stokmarknes. Wir wussten, dass - wenn das Wetter es zulässt - der Kapitän einen Abstecher zum Eingang des Trollfjordes macht. Dieser Fjord ist so schmal, dass er im Winter wegen Lawinengefahr nicht befahren werden kann. Kurz nach Mitternacht war es dann so weit und über die Bordanlage wurden wir vom Expeditionsteam orientiert, dass die Visite möglich sein wird. Wer laufen konnte und noch nicht zu tief schlief stellte sich auf Deck 5 vorne auf dem Schiff auf und erwartete gespannt was da in tiefer Nacht zu sehen ist. Das Schauspiel dauerte ca 15 Minuten - ein wahrhaft mystisches und unvergessliches Erlebnis.

Um sich auch etwas Ruhe zu gönnen wurden die Häfen Stokmarknes, Sortland, Rysøyhamn und Harstad "ohne Zuschauer" angefahren.

Für das Meeting mit der "Nordkapp" reichte es allemal, da es auch gerade Frühstückszeit war. Begegnen sich zwei Schiffe der Hurtigruten geben die Kapitäne Signal und stellen für kurze Zeit Vollicht auf den Schiffen ein.

Kurz vor Mittag erreichten wir Finnsnes und hatten eine halbe Stunde Aufenthalt. Das reichte um einmal im Hafen herumzulaufen und die Stimmung einzufangen. Wir waren sehr erfreut, hatte es doch erstmals Schnee auf unserer Reise. Die Weiterfahrt bescherte uns wieder eine der vielen Brückenpassagen. Es sah gelegentlich bedrohlich aus, wenn bei steifer - ja sehr steifer Brise - die Lastwagen über die Viadukte fuhren. Aber auch der Kapitän und seine Crew mussten besonders Acht geben. Mir kam es vor, als ob die Markierungen des Seeweges immer enger wurden, je weiter wir nach Norden kamen. Die Selbstsicherheit und das Können der gesamten Crew übertrug sich immer wieder auf die Passagiere. Ich glaube wir hätten alles gemacht, wenn es von der Brücke angeordnet worden wäre.

Die ganze Organisation und die Abläufe auf dem Schiff waren sehr professionell. Egal ob Winter oder nicht, das Promenadendeck wurde immer wieder gesäubert, man sah Matrosen an Unterhaltsarbeiten und die Reinigungskräfte - unsere fleissigen Bienlein - waren nachts wie auch tags immer wieder unterwegs. Die Damen an der Reception oder das Servicepersonal im Restaurant, alle waren sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Die Nachhaltigkeit wird sehr gross geschrieben. Die Getränke in den Restaurants sind in Glasflaschen, die Servietten aus Stoff und überall stehen Behälter zum Sortieren von Plastik, Papier und Restmüll. Als Gast kann ich auswählen ob ich will, dass die Kabine gereinigt wird oder nicht. Wenn nicht gereinigt wird zahlt Hurtigruten pro Mal einen Beitrag in ihre gemeinnützige Stiftung. Es hat drei Türan-hänger: Nicht reinigen, jetzt reinigen, nicht stören. In der Regel liessen wir die Kabine nur alle zwei Tage reinigen.

Schon bald sollte das zweite Highlight des Tages folgen: Tromsø. Wir hatten vier Stunden Aufenthalt. Nur schon die Anfahrt zum "Tor der Arktis" ist umwerfend. Von weitem sieht man die Eismeerkathedrale, das Wahrzeichen der Stadt. Eigentlich heisst sie Tromsdalen Kirke.

Auch wenn heute Dienstag war, war in Tromsø Feiertag, denn wenn es nicht geschneit hätte und der Himmel klar gewesen wäre, wäre es der erste Tag des Jahres gewesen an dem die Sonne auf die Stadt scheint. Traditionell isst man an diesem Tag Apfelkuchen und trinkt warmen Kakao.

Wir schlenderten durch die Stadt und genossen die vielen Lichter. An vielen Orten sieht man noch die "Weihnachtsbeleuchtung", aber eigent-lich hat diese Art von Licht eine ganz andere Aufgabe. Es soll möglichst viel Licht auf die Strassen und in die Herzen der Menschen scheinen. Das wird auch erreicht.

Egal ob Sweet Heart mit einem Haus voller Süssigkeiten oder Annemarie welche wieder einen Troll gefunden hat - die Stadt strahlt viel Sympathie und Zufriedenheit aus.

Um halb Sieben ging es wieder los und wir fuhren weiter nach Skjervøy, wo wir um 22 Uhr 30 ankommen sollten. Anschliessend erwartete uns wieder "open sea". Mal schauen, was die Nacht so bringt.