Tag 4 Bodø

20. Januar 2020 - Montag

Der Tag verspricht abwechslungsreich und vielseitig zu werden, immerhin laufen wir heute sieben Häfen an. Bereits in der Nacht hat das Schiff in Brønnøysund, Sandnessjøen und Nesna angehalten um Fracht auf- und abzuladen.

Noch bevor wir in Ørnes angelegt haben war einer der Höhepunkte unserer Reise - die Überquerung des Polarkreises in Richtung Nord. Das Schiff gab mit seinem Horn Zeichen und die "Erdkugel" auf der Insel wurde mit Scheinwerfern angeleuchtet. Ein Kribbeln ging mir über den Rücken denn so nördlich war ich noch nie.

 

Das Schiff schlängelte sich durch die Inselwelt und bei Tagesanbruch war Treffpunkt auf Deck 7. Es erwartete uns der Kapitän und der erste Offizier mit dem Expeditionsteam. Das Wetter war uns immer noch nicht hold gestimmt, aber wir hatten ja im Shop die geeignete Kopf-bedeckung gefunden. Auf jeden Fall musste Annemarie nicht frieren und nass wurden wir auch nicht. Als die Mehrheit der Passagiere auf Deck war, wurden wir aufgerufen den Troll der Meere zu rufen: "Njorg".

Er liess nicht lange auf sich warten und erschien mit lautem Geschrei und urigen Rufen - ein besonderer Auftritt. Recht schnell liess er sich besänftigen als er die Kübel mit Eiswasser und Eiswürfeln sah. Das sollte für uns nichts Gutes verheissen, denn die Polarkreistaufe stand an.

Wir hatten schon den Eindruck, dass es auch für den Kapitän einer der schönen und lustigen Momente seiner Fahrt war. Er konnte kurz die Verantwortung ablegen und sich den Passagieren widmen. Der Kapitän und die Offiziere assen auch im Restaurant am "runden Tisch" und nicht etwa gesondert. Nun, jeder Reisende bekam eine Schöpfkelle Wasser und Eiswürfel ins Genick geschüttet und gut verrieben. Alle Vorsichtsmassnahmen und Vorbereitungen nützten nichts, es rann bis in die Hose. Doch was soll's, unseren Tischnachbarn aus England erging es nicht besser als uns. Dass wir am Abend dann das Zertifikat auf der Kabine vorfanden erfüllte uns schon ein bisschen mit Stolz - Polarkreis überquert, Taufe überlebt.

 

Wir hatten noch Zeit bis kurz vor Drei um uns umzuziehen und das Mittagessen einzunehmen . Dann war die Hafeneinfahrt in Bodø. Dieser Ort hat eine grosse Bedeutung, ist er doch der "Verbindungshafen Richtung Nord" zu den Lofoten. Ein riesiger Umschlagplatz für Waren aller Art. 

Hier hatten wir uns für einen Landausflug angemeldet. "Saltstraumen" - der stärkste Gezeitenstrom der Welt. Nach einer Rundfahrt durch Bodø fuhren wir mit dem Bus an eine enge Stelle. Dort werden beim Gezeitenwechsel, also alle 6 Stunden,  370 Millionen Kubikmeter Wasser durch das Engnis (Bild rechts) gedrängt und verursachen Wirbel mit bis zu 20 Knoten Geschwindigkeit. Für kleine Schiffe sind diese Wirbel der Untergang. Auf den Fotos sehen sie recht harmlos aus, denn zum Zeitpunkt unseres Besuches waren sie bereits am abklingen.

Dieses Ereignis, dass frisches Atlantikwasser auf so kleinem Raum durchgepresst wird haben sich ideenreiche Norweger zu Nutze gemacht und gewinnen in aufwändiger Arbeit Meersalz. Das Salz ist sehr begehrt und deshalb freuten wir uns, dass wir im Bus eine kleine Dose dieses Salzes erhielten.

Zurück an Bord ein Besuch in der Bäckerei auf Deck 7 und einen Rundgang im Shop/Kiosk auf Deck 4. Hier gibt es von Getränken und kleinen Snacks über Souvenirs bis zur Bekleidung und Büchern fast alles. Die Qualität der Produkte ist sehr gut und fast täglich gibt es eine oder zwei Aktionen. Der Shop ist gerade neben den beiden Konferenzräumen wo die täglichen Briefings mit dem Expeditionsteam stattfinden. Heute war das Thema die Nordlichtfotografie. Es wurden viele nützliche Tips für die Kameraeinstellungen vermittelt und auch auf Papier verteilt. Sollte das Wetter gut und der Himmel klar sein, so sind ab heute Polarlichter möglich - wir sind genügend nördlich.

Die Überfahrt zu den Lofoten dauert etwa zwei Stunden und geht im Gebiet Vestfjorden über die offene See. Es dürfte also wieder ruppig werden.

Die Aufenthalte in Stamsund und Svolvær waren nachts und nur von kurzer Dauer. Dennoch, die riesigen Stokk (Holzgestelle)  zum Trocknen der Stockfische waren imposant.

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