Tag 8 Hammerfest

24. Januar 2020 - Freitag

Und so sollte es auch kommen. Die Nacht war ruhig mit wenig Wind aber wolkenverhangen als um 3 Uhr 30 die "Richard With" ihre Spuren auf dem Meer in Richtung Hammerfest zu ziehen begann. Bei Eintreffen um viertel vor Elf waren wir wieder im Zeitplan. Es war ein bisschen eigenartig, denn wir waren auf der Route südwärts, fuhren aber nordwärts. Wie Alta gehört auch Hammerfest zur Finnmark und hat die grösste Erdgasförderung Norwegens. Sie galt lange als die "nördlichste Stadt Europas" und wirbt heute noch damit. Es ist jedoch nicht so klar definiert ab wie vielen Einwohnern eine Gemeinde sich Stadt nennen kann. Eindrücklich und liebenswert ist sie allemal - die Eisbärenstadt. Hier hatten wir zwei Stunden Aufenthalt im Gegensatz zur "Nordwärts-Route" wo wir bei Nacht hier anlegten. Hier im Ort geht vom 22. November bis zum 21. Januar die Sonne nie auf. Wäre das Wetter gut gewesen, hätten wir also den dritten Sonnentag im Jahr erleben können. Die Fotos sind um elf Uhr gemacht und es sieht aus wie Dämmerung. Auch hier wusste man sich zu helfen und bereits 1891 erhielt Hammerfest die erste Strassen-beleuchtung Norwegens. Da Hammerfest viele Jahrzehnte der Anlaufhafen für die Wal- und Robbenfänger und Fridtjof Nansen nutzte den Hafen aus Starthafen für seine Expeditionen.

Ob deshalb die Eisbären so präsent sind ist mir nicht bekannt aber vom Stadtwappen über den Vorplatz der Stadtverwaltung bis zum Polarbärenclub ist er allgegenwärtig und so kam Annemarie zu einer Bärenbegegnung der harmlosen Art.

Ein Überbleibsel aus alter Zeit ist noch das Hafenbüro neben der für heutige Verhältnisse riesigen Hafeninfrastruktur. 

Am Nachmittag organisierte das Expeditionsteam eine Präsentation über die Gas- und Ölförderung in Norwegen. Passend dazu hatten wir den Ausblick auf die riesigen Anlagen auf der Insel Melkøya des Statoil-Norsk-Hydro-Konzerns. Vergrössert man das Foto rechts erkennt man eines der riesigen Tankschiffe welches das verflüssigte Erdgas in die ganze Welt transportieren.

Der Aufwand, der vom Expeditionsteam für uns geleistet wurde war sehr gross. Nur schon die Vorbereitung der dutzenden Veranstaltungen, die Absprachen mit den lokalen Anbietern, Busunternehmen, Snowmobilevermietern, Schlittenhundeführer, Wanderungen und vieles mehr. Täglich konnten wir am Briefing teilnehmen und erhielten die neusten Uptdates über Wetter, Schneeverhältnisse und der Wahrscheinlichkeit für Nordlichter. Immer waren die Unterlagen bereit, die Stadtpläne, die Liste über die längsten Fjorde Norwegens aber auch die InfoPOI an Bord. Mir scheint, dass es auf unserer Reise noch mehr zu tun gab, gab es doch bedingt durch die Wetter- und Windverhältnisse ständig Umorganisationen, Änderungen und Anpassungen. Stets war mindestens ein Mitglied des dreiköpfigen Expeditionsteams dabei, machte Fotos oder kurze Filme - die zum Schluss der Reise auf einem Stick erworben werden konnte.

 

Nun, kurz nach Mittag zogen wir weiter in Richtung Øksfjord und dann wieder hatten wir zwei Stunden "Open sea" bis Sjervøy. Der untere Teil, die ruhige See verprach gutes für die kommende Nacht - jetzt musste nur noch der obere Teil, der Himmel, mitmachen.

Laut Prognose der Brücke und des Expeditionsteams sah es nicht so schlecht aus. Um 22 Uhr waren wir in der Region Nord-Lenangen zwischen Hammerfest und Tromsø wo wir kurz vor Mitternacht eintreffen sollten.

Dann plötzlich: "Nordlichtalarm". Können wir heute die typischen Bilder der "Aurora Borealis" schiessen? Alles was Beine hatte rannte los auf die Deck's 5 oder 7 und staunte gegen Himmel. Fast wäre es gelungen. Im Gegensatz zur Abfahrtszeit (See ruhig - Himmel verhangen) war es jetzt umgekehrt, der Himmel war relativ offen, aber die See rau. Immerhin gelangen ein paar Schnappschüsse, doch eine Warnung an den Betrachter oder die Betrachterin: Vergrössert man die Fotos sieht man links auch einen bläulichen Schimmer. Das ist der Rauch aus dem Kamin des Schiffes und kein Nordlicht. Einige Passagiere fotografierten den Rauch noch, als die Nordlichter schon nicht mehr am Himmel waren. Kurz vor Mitternacht erreichten wir Tromsø, diesmal aber von der anderen Seite. Die Eismeerkathedrale ist einfach ein Magnet und fasziniert immer wieder. Wer sich angemeldet hatte konnte ein Konzert in der Kathedrale besuchen und kurz nach ein Uhr legten wir wieder los. Das Ziel des morgigen Tages waren wieder die Lofoten, als bye bye Tromsø und auf Wiedersehen.